sharon & the beast

* ca 2007, in korrektur




„die gewalt geht von der herzlosen mitte aus, an den rändern darfst du sie dann erkennen und
bekämpfen, du kämpfer, du – die mitte des herzens halten viele aber für schwach.“               
                                                                                                                                     sharon, berlin 2007.






               amourös-glamourös
                       profan-projektiert
                                   präzise-ziseliert
                                                präsent-räsoniert
                                                            routiniert-gerollt 


 




sharon :

kannst du mir sagen wie spät es ist, beast ?


beast :

es wird immer später, sharon.
und ausgerechnet mir fliegen vergangenheitssplitter noch wie hartscharfer müll um mein kleines liebes hirn.
ich würde es vorziehen, auf  poetischeres zu treffen.


sharon :

ziemlich ziehbar.


beast :

ja. ich bin aber so unendlich müde.

 
sharon :

dann lass mich vielleicht alleine weitergehen.
und aufgehen.


beast :

ich ginge aber gerne mit dir.
und versuch's nun etwas weiter zu fassen : die zeit verändert sich trotz aller ... scheisse perennierend und benötigt noch diese pauken - sie scheinen allzuoft nur da zu sein, dass man in sie hineinhört und womöglich andächtig dabei lauscht ...


sharon :

du bist manchmal fast lustig !
zeixxs mir trotzdem bitte mal deutlich gewissenhafter.
woanders, du weißt es, da wäre ein anderes friedlicheres leben.



                                                          
moderation 1 :

warum schweigen aber die sternchen über den laternchen so überaus erhaben-grosszügig ?



moderation 2 :

jede fragerei hat auf jeden fall irgendwo mal angefangen, nicht ?
DIES wäre der spannende punkt einer möglichen kleinen & unerbittlichen investigation.
mit den interessen von forensikern versehen erdrücken uns nämlich immer noch so manches mal peinlichst  herannahende wolken kaum spürbarer nivellierender wortgewalt ?
es zwickt zuweilen ein heranfliegen eines kosmischen ekels.
wir müssen aber überaus tapfer und warmherzig sein.
die kinder gehen nicht nur zu kindern.






beast :

nun denn : zu den aschen der eingeweiden der historie stürzt sich zuweilen eine histrionische sopranistin.


sharon :

du kannst dir manchmal aber fast katastrophal hysterisch was einbilden ...


beast :

wir müssen doch jetzt und zukünftlich kultiviertes elend evozieren -
das soziale denken hatten wir bereits abzugeben.
wir beschäftigen uns also mit goldenen gabeln
und ihrem dezent-ordinären geklapper.
ach wie behaglich es sich doch leben lässt unter wohlstimmlichen mündern
auf allen verfügbaren kanälen televisionärer wohlfühlmaschinerei.
muss wieder mal die nummer hören : 






sharon :

du bist eigentlich ein unentdeckter held.
der undergecoverte zerstörer, aber der leidtragende - eine tragische figur.


beast :

ich bin einfach nur ich, das ist das undsoweiter.


sharon :

jetzt aber nicht mehr, jetzt bist du nämlich bald einer von allen.
tja, alter.




moderation 1 :

es war zeit geworden sich aufzulehnen ?
impertinenz schien grenzenlos ?
die künste wurden zu flugmaschinen über abklatschende, groteske selbstgerechtigkeiten ?
du konntest dich im übrigen selbst entwerfen ...



moderation 2 :

durchaus auch im überfliegen dieser vielen unsäglichkeiten.
der matsch hatte nämlich milliarden feinsinnigste hände bekommen
durstiges, das vertrocknende klebrigkeit nicht kennen durfte -
welches aber trug wie wissen-suggerierende spinnenbeinchen -
du durftest sich damit nicht vertiefender beschäftigen
glücklich der, der nicht darin schon verpappt war -
und so hätte nämlich eine schöne, schöne reise beginnen können !





in memoriam, vorverlegt


sharon :

ich möchte.
gibt es bei euch paradiesisch anmutende gestade ?
ich möchte deine haut, mal zart mal dick.
und eine mitte die überall anders wäre als zwischen extremen
also pack das badetuch ein
alles andere wären bedeutungslosigkeiten
jetzt ist es sommer.
ich möchte nicht alleine sein.
du gehst am strand
und ich schau dir zu.


beast :

warte.
haartz 4 ist eine nicht noch weiter ausdünnbare nährlösung für sowaszufolge langsam dem leben enthauchende !
nen gefallen hätte man solchen aber nicht zu tun, die einen aussortierten z.b. als „vitalressource“
bezeichnen, sie klimpern vielleicht noch mit rasseln und glöckchen eines netten
kindertagesstättenbetriebs, es gibt allerdings keine auffassung über widerstand mehr.

die meisten artisten haben sich hinter konventionen verbarrikadiert, nicht wahr ?
worthäppchen mehr diesem humankapital, wenn’s genehm ist, & schon spielt das netradio weiter :
play it again sam, play 2056.
prekariat : das ist die methode melodisierter, friedlicher verelendung :
des abschaltens.
am ende des für immer vom netz gehens.
möge der herr dann den pauperisierten seelen gnädig sein.
und so kann der herr nämlich auch sprechen : ich bin selbst noch das kaninchenkötel auf dem fleckchen gras über deiner urne.

nun, die frau allerdings war aber etwas mehr als bewusstseinshell.
sie sagte : ich war damals dein anderer klang und du warst taub.


sharon :

eine koinzidenz.
wen interessieren heute noch frivole schlangen, die klappern, und hände, die sie fast beiläufig greifen ?
die rede kann sich verflüchtigen - ein paar meter über dem geschehen, das aus worten gummi macht wäre zügig gekreischt : sag ihnen genau wo die alten, uralten reifen sind !



beast :
                                                                                                                            
ich leg mich jetzt lieber hin, oder eine cd auf oder mich nochmal auf zur strasse in’s
vergnügen oder/und einer apathie/aphasie/ataxie/agnosie hinzu.
monk, monkey, money.
i trust’n believe now better.




moderation 1 :

grober unfug -------------- eine schande -------------  schnee von gestern
brav gebohrt in grönland, der grossen eisigen aufzeichnungswüste ?
wüst. wüst. region.
die welt umhalst, die welt umherzt.
dei dei ?
welt ohne geld, gift und menschen ?
kein pardon ?
die ohren der bücher segeln in manchen schwülen zimmern regatten ?



moderation 2 :

weidwunde krähen, nochmal schnell auffrisiert, nach dem letzten stand der dinge.
durchgesemmelt. abgerissen. abgestempelt.
sindbad, ein letzter schoschone ?
gekotzt aufs reispapier, mit dem skalpell ihre namen reingeritzt :
geritzt !
ein schnellzug begann zu halten :
dreht bitte nicht durch.
nicht jetzt.
lasst euch zeit, bis alles vorbei ist.
oder halt nicht.
gonokocken.
trichotomien.
cluster.
informationsreisen in evakuierte hirne, expeditionen, petitionen, penningionen ...




.

sharon :


ein brief ereichte mich, der etwas mit einer prophezeihung zu tun haben hätte können.
es wurde mir klar, dass spontanes, halbwahres geplapper nie aufhören würde.


 


zwischen nacht und mittag / 2007


moderation 1 :

der keeper rauchte kette.                                                                                                               
die frau machte sich am tresen bunt und wild verwegen.
eine gruppe ausgemergelter gesichter kam rein. das beast kannte sie. es waren nette, smarte menschen, die plötzlich ultraquickes gift versprühen können, wenn was nicht passt.
und dann kam der professor.
der hatte ihm nichts zu sagen.

er lief fast in die faust eines vollgesoffenen 70er jahre cop.
alle schrien auf ihn ein, es war ein klassischer fall von antipathie. seiner.
nun begann es sich herumzusprechen, dass er öfter ärger hat.
das gespräch begann bei diesen netten ausgemergelten smarten menschen, die seine äussere hülle kennen.
mehr wäre ja auch zuviel verlangt gewesen, ansonsten hätten sie sich sowieso nur noch für seinen arsch interessiert und dessen hingehalten sein und im allgemeinen diesen anstand zu wahren.

der chef hielt ihm aber einen gemütlich-beruhigenden vortrag über benimmregeln im plauderton.
dislozierung.
ein durchgeknallter griff sich sein frischgezapftes bier.
auf der strasse im schönsten sonnenschein fuhr der maler z. aufm rad vorbei.
das letzte mal als er ihn sah, war er für den der teufel und der für ihn ambivalent.
er sass später am kaffehaustisch mit der zeitung eines aalglatten sophisten vor der nase.
der gab ihm keinen drink aus. solche erfahrungsgemäss nie.
( sie werden mit der zeitung vor dem gesicht geboren. )
er landete noch vor dem theater.
der wind riss ihn fast vom stuhl in der sonne.





hart.


moderation 2 :

in situationen grösster not stellte man sich früher tot.


moderation 1 :

im vielleicht doch aufhaltbaren auseinanderfallen von
realität und wahrnehmungsfähigkeit.


moderation 2 :

später stellte man sich schon tot bei wirklich geringfügigsten anlässen.
man war zum gut-bis-gar-nicht-situierten abgrenzungsautomatismus geworden ?


moderation 1 :

ordinärste verlust- und berührungsängste waren vor allem die gründe dafür.

                                                                                                                                                       
moderation 2 :

schwach-paranoide vorurteils-settings, über die gemeinschaften einst reich und erfolgreich gerieten, wurden zu kleingeistigen blockern vernünftiger schönbahnungen.


moderation 1 :

potentiell kreative wurden dabei zu unselbständigen kommunikationszwergen die sich recht früh in debiles hinein weiterdefinieren durften.





abbuchbar zwangsneurotisches verhalten

gezeter, drücke, abbauwürdigst.


beast :

das problem fing damals schon damit an, dass z.b. dem aufmerksamen televisonsteilnehmer wissenschaftler vorgeführt wurden, die in der regel nicht in der lage waren, den hypothetischen gehalt ihrer aussagen jeweils deutlich und für alle teilnehmer wahrnehmbar herauszulegen.


sharon :

alleine diese ordinäre auffassung, sich verstellen zu dürfen, liess ständig auf  defizitäres schliessen – effizienz wurde damit aber sicherlich grundsätzlich beschnitten.


moderation 1 :

man brauchte also bloss jemand anderen zum idioten erkären, und schon durfte man der idiot sein, der man halt war.
das problem war 2005 also nach wie vor die projekion.
dazu gehörte dann auch noch die ächtung, die diskriminierung, und eine mitunter äusserst grosszügig verlaufende verachtung.


moderation 2 :

die postulate einer strengen zwangsgesellschaft hatten nie mühe, mit zwingender/einzwängender syntax, textur,struktur, (psycho)krise relativ erfolglos im allgemeinen zu hantieren -


moderation 1 :

war nicht die sprache die jeweils einzige wirklich bewusstseinserweiternde DROGE ? - wohldosiert zugeführte rauschsubstanzen nur transzendental-tickets zu ihren fliegenden  erkundungsreisen ?




sharon :

merke :
versuche nur unter vorbehalten, einen von sich selbst überzeugten lakaien zu einer möglichen selbständigkeit zu verhelfen, du wirst von dessen spöttischer furcht vermutlich selbst zu dessen feind stilisiert.


moderation1 :

sharon blieb manchmal nichts anderes übrig, als sich in die berge zurückzuziehen, um bei allen
stets-ekstatisierbaren erwanderungen ihr schäumen bis zu einem ewig wiederkehrenden optimistisch-exzessiven pathos hochzuschlagen, weil sie um die differenz als konstituierendem gut wusste, sie stets hofierte, aus leider dann allerdings allzusicherer, allzubequemer, allzuhöhendurchlüfteter distanz -


sharon :

dem beast fiel eines nachts in der kaschemme ein alter mann auf, der einen etwas desillusionierten, müden eindruck machte und auch schon ein wenig angetrunken schien.
dem brauxte nix zu erzählen, alter, sagte ein anderer, der verfasst SO musik :
das flugzeug ist die geige, das gegenläufige drehen der erde ein anderes instrument in einem anderen tempo und das kreisen der erde um die sonne wieder ein anderes in einem wieder anderen ... -





elixier



beast :

ja, wie ist das halt immer gewesen, die leute suchten halt keine tieferen vielfachbindungen.
lieber verschanzten sie sich bequem hinter eindimensionalen bezugsquellen, um sich dann aus dieser deckung heraus allzuhäufig verächtlich oder indignierend auf die umgebung zu werfen :
so entstanden dann halt fusselige dramen durch fast sämtliche eigenheime & hinterhöfe dieser welt, wie billich und gefährlich einfältig.
lass uns jetzt bitte ans meer fahren !


sharon :
                                                                                                                                                                
nein. dein denken bildet zuweilen ein scharnier der wirklichkeit in konnexion zu undurchsichtiger, undurchschaubarer machtentfaltung ab, etwas vorschnell schlussfolgernd, münzend auf eine etwaige aushebelung einer intelligiblen transferverquickung von information.
wir sollten ratsamer sein im umgang mit chiffern, mit gut vorzeigbaren entzerrungen potentieller vorausschauungen, prophetien und lang anhaltender visueller schweifungen über die dann offenen szenerieentrolltheiten dahingestellt, diesen schaumigen wellenformiert- und gebildetheiten.


beast :

dann protest !


sharon :

antitest !  - schludriger schlendrian, hätte mein vater gesagt ...


beast :
                                                                                                                                                     
zuwasdenn ?


sharon :

zu vielem, vor allem zu einem eifersüchtigen junggesellen.


beast :

ein paradiesvogel, dein vater, ohne grosse hemmungen ?


sharon : 

völlig falsch, ein liebender in einer welt voller verzerrter ungereimtheiten & wahnsinnigkeiten.


beast :

ein wippen auf nem seil, gespannt zwischen superman und jenseits.


sharon :

jetzt hastes irgendwie - so gut wie nah am punctum.


  




das vertraute gespräch

- wohnzimmerintimität -



beast :

wir durften doch nie wir selbst sein, oder haben uns dies zumindest eingebildet -
immer diese adaptierten rollenerwartungen, an anpassung sich beflissentlich anbiedernd,
anpassen an die langen  haare, die jeans und die gebatikten regenbogenfarbigen shirts.


sharon :

du hast die barfüssigkeit im sommer und den vw-bus vergessen !


beast :

 die ganzen klasse sachen, die noch flowerpowerig waren ...


sharon :

reich mir bitte nochmal das wasser.


beast :
                                                                                                                                                                               
mann bin ich angetörnt. endlich wieder mal so richtig naturbelassenes haschisch.


sharon :

wann hast du eigentlich beschlossen übermensch zu werden ?


beast :

der beschluss kam auf mich zu gerannt.


sharon :

klingt fast komisch.


beast :

gestern sah ich nur noch versuchsmäuse um mich herum, die meinen letzten geduldsfaden freilegten und daran zerrten :
ein megalomaner moment, hat man sie unter kontrolle. man liebt aber ihre sprache nicht.
sie reden nur noch aus gebrauchsanweisungen und formularen und kneifen ihre augen zusammen
ohne schwingung - weder der einer inneren melodie oder der eines pfiffigen chorals, glaubstes ?


sharon :

du untertreibst, aber kannst dich wenigstens noch von aussen aus betrachten, wie ich dich.


beast :

danke. ich hatte mich gestern getäuscht, luftspiegelungen des grauens, man will sie bepuderzuckern und calypso dazu tanzen -----


sharon :

 versteh grad irgendwie nicht ganz was du meinst.


beast :

es gibt ja nicht viel zu meinen, zum beispiel aber halt augen auf und durch !
die erde vom all aus betrachtet soll wie man hört noch schön sein.
wären alle etwas weiter oben, würden alle es erkennen.


sharon :                                                                                                                    

das ist aber nicht unbedingt zu verstehen


beast :

YES, wie WIR so in unseren protoplasmen badeten, uns ein wenig mit schaum bespritzten, schaum aus unseren eigenen und fremden flaschen, die hälse verzogen wir manchmal hinauf in’s glück und zappelten mit unseren zehen, den füsschen und im cerebellum.


sharon :
 
jaja, könnte in der tat von mir.
sein.




exit.